Bilder und Erfahrungen mit den Solar-Spectrum
H-Alpha Filtern von Baader-Planetarium

Ich war eine Zeit lang in der glücklichen Lage, für die Firma Baader-Planetarium die neuen
H-Alpha Filter von Solar-Spectrum zu testen. Mittlerweile habe ich einen dieser Filter erstanden und
Diese werden auf "klassische" Weise am Teleskop verwendet, also vor dem Objektiv ein Energieschutzfilter (ERF),
und am Okularauszug die eigentliche Filtereinheit (ggf. mit Telezentrischem System). Nähere (techn.) Informationen:
hier und hier

Dies bringt unter anderem einen gewaltigen Vorteil mit sich: Diese Filter muß man nicht wie ein rohes Ei behandeln!
Wärend andere Systeme mit "riesig" großen Ethalonscheiben bei Stößen, unvorsichtigem Aufsetzen oder beim Transport leicht Dekontaktieren,
also ihre Interferenzwirkung verlieren, müßte man bei SolarSpectrum Filtern schon echte, grobe Gewalt anwenden.
Für die Lagerung gilt das selbe wie für alle Interferenzfilter: trocken lagern.

Es ist auf Grund der Bauart erforderlich, das Filtersystem zu heizen,
um die zentrale Wellenlänge stabil auf H-Alpha einzustellen. Dadurch wird zusätzlich ermöglicht,
reproduzierbar aus der zentralen H-Alpha Wellenlänge in die sog. roten und blauen Flügel zu schwenken.
(Und nicht nur in eine Richtung, wie dies bei anderen Filtern mit Verkippung erreicht wird!)
Dieses "Scannen" ermöglicht unter anderem eine genaue Beobachtung von Flares und anderen Ereignissen,
welche mit sich schnell bewegender Materie zu tun hat. Sich schnell bewegende Flarefilamente bzw.
Protuberanzen bleiben dadurch unter Ausnutzung des Dopplereffekts ebenfalls beobachtbar.

Der Hauptunterschied zu anderen Filtersystemen ist, daß es im Grunde keine Öffnungsabhängigkeit gibt.
Lediglich das Öffnungsverhältnis sollte ungefähr größer/gleich F/30 sein, um dem Filter einen möglichst
parallelen Strahlengang zu bieten, um optimal arbeiten zu können.
Dies wird ggf. mit ein wenig Abblenden und mit Hilfe eines Telezentrischen Systems (TZS) erreicht.
Im wesentlichen ist dies eine speziell gerechnete Kombination aus einer Barlowlinse und einem Projektiv.
Daraus ergibt sich ein ebenes Bildfeld. Diese sind von Baader-Planetarium mit 2- und 4facher
Brennweitenverlängerung erhältlich. Zur Darstellung von kleinsten Details ist dieses Öffnungsverhältnis optimal.
Das bedeutet im Wesentlichen, daß man jederzeit upgraden kann, ohne den bisherigen Filter nutzlos zu machen.
Man verwendet den selben Filter und braucht lediglich einen größeren ERF (und vielleicht ein anderes TZS).
Kommt wesentlich günstiger, als sich alle paar Jährchen wegen 2-3cm Öffnung einen komplett neuen Filter
für mehrere tausend Euro anzuschaffen.

Es sind mittlerweile vier verschiedene Filtertypen von Solar-Spectrum erhältlich:

- Solar Observer Serie 1 mit Halbwertsbreiten von 0,65Å / 0,5Å / 0,3Å
mit einem freien Durchmesser von 19mm
(reicht bis etwa 1600mm Brennweite, um die Sonne komplett zu zeigen)

- Solar Observer Serie 1,5mit Halbwertsbreiten von 0,65Å / 0,5Å / 0,3Å
mit einem freien Durchmesser von 25mm
(reicht bis etwa 2200mm Brennweite, um die Sonne komplett zu zeigen)

- Advanced Solar Observer Filter mit Halbwertsbreiten von 0,8Å / 0,65Å / 0,5Å / 0,25Å
mit einem freien Durchmesser von 32mm (reicht bis etwa 3000mm, um die Sonne komplett zu zeigen.)

- Research Grade Filter die im Wesentliche den Advanced Solar Observer Filtern entsprechen,
allerdings mit nochmals verbesserter Qualität und Transmission mit Halbwertsbreiten von 0,5Å / 0,3Å / 0,2Å.

Daraus ergibt sich für (Amateur-) Sonnenbeobachter die Möglichkeit, auf professionellem Niveau im H-Alpha Licht
zu beobachten und zu fotografieren. Im Zeitalter von Videoastronomie und Digitalkameras sind dadurch Aufnahmen
von extrem kleinen Details und hoher Qualität relativ leicht möglich. Zum Teil durchaus vergleichbar mit Profi-Aufnahmen!


Aufnahmen mit dem SolarSpectrum SolarObserver Ser.1 mit 0,65Å
hier


Durch die großen verwendbaren Öffnungen und die engen Halbwertsbreiten ist eine Auflösung und Detailfülle gegeben,
welche allein schon visuell alle Grenzen sprengt. Filamente sind bei 0,3Å extrem dunkel und sehr deutlich. Aktive Gebiete,
Flecken und auch Protuberanzen zeigen eine ungeahnte Detailfülle. Doch auch die weniger engen Filter beeindrucken!
Mein 0,65Å Filter zeigt, was ein wirklich guter Filter dieses Bandbreite zeigen kann!
Es gibt viele Filter, die mit <0,7Å beworben werden, aber diese Leistung sucht man meist vergebens.

Eindrücke mit 0,3Å:
Das Bild mit dem 0,3Å Filter ist am 4" f/15 Refraktor mit 2fach telezentrischen System erstaunlich hell.
Kurz nach Beginn der Heizphase des Filters tauchen Protuberanzen auf. (Selten gesehen, da ich derweil weiter aufbaue ;)
Bereits nach 2 Minuten sind deutlich chromossph. Oberflächenstrukturen beobachtbar!
Ist nach etwa 4-5 Minuten die optimale Betriebstemperatur erreicht, beginnt die "echte Sonnenbeobachtung" - H-Alpha!
Filamente, aktive Gebiete, Flecken (mit Umbra, Penumbra und Superpenumbra), Bushes, Plages, Fibrillen, Spikulen...
alles was man vielleicht von Aufnahmen des Big Bear Solar Observatory kennt, hat man live im Okular!
Mit einer umwerfenden Auflösung und einem Kontrast, der knackiger kaum sein könnte.

Die 0,2Å Version steht in punkto Bildhelligkeit dem 0,3er in nichts nach.
Offenbar hat Solar-Spectrum die Transmission auch bei so engbandigen Bandbreiten unter Kontrolle.
(Für den 0,2Å Filter wurde der 102/1000 FH als 60/2000 oder 102/4000 betrieben.)

Fazit:
Ich bin von diesen Filtern begeistert! Wenn der Einstiegspreis vielleicht auch etwas höher sein mag,
so stimmt dennoch das Preisleistungsverhältnis. Mam spart sich dafür den Umweg über billigere "Spielereinen"
Obwohl Erfahrung in der Sonnenbeobachtung und dem entsprechenden Umgang mit Filtern etc. sehr hilfreich ist,
kann durchaus jede(r) damit umgehen, und die die Möglichkeiten sind gewaltig!
Die Solar-Spectrum Filter sind nicht nur visuell sehr gut, sondern besonders auch für video-/fotografische
Anwendungen mit langen Brennweiten optimal.

Also, wer nach dem Motto "nicht kleckern sondern klotzen" arbeiten möchte, ist bei diesen Filtern richtig!

© Andreas Murner

 

Weitere Info's zu den Filtern sind auf den Seiten von
Baader-Planetarium oder unter www.solarspectrumfilter.de zu finden.

Kein Frame!? Klick!